Da meine Führerscheinübersetzung noch nicht angekommen ist, musste ich meinen geplanten Ausflug zum Yunoshima Onsen und die Hängebrücken-Tour durch Shizuoka leider auf das nächste Mal verschieben.
Ebenso habe ich es verpasst, rechtzeitig Tickets für die Oigawa-Dampflokfahrt ab der Shin-Kanaya Station zu reservieren – eine Fahrt durch wunderschöne Natur mit Halt an der Okuōikojō Station, wo man auch den Aussichtspunkt besuchen kann.
Also entschied ich mich stattdessen für ein anderes Ziel: Miho no Matsubara – den Pinienwald von Miho.
Das ganze Gebiet rund um Miho ist wirklich wunderschön – ruhig, fast ländlich. Auf dem Weg dorthin dachte ich zwischenzeitlich, ich wäre falsch, weil kaum Autos und keine Menschen unterwegs waren.







Aber nach etwa 20 Minuten Fußweg erreichte ich schließlich den Pinienwald, und nach weiteren 15 Minuten stand ich am Strand von Miho in der Suruga-Bucht, mit ihrem schwarzen Kies und dunklen Sand.





Die Aussicht Richtung Izu war bereits beeindruckend, aber der Blick auf Fuji-san – einfach atemberaubend.





Ich verbrachte dort mehrere Stunden, spazierte am Strand entlang, baute hier und da kleine Steintürmchen, und ließ einfach den Moment auf mich wirken.Im Pinienwald fand ich später eine kleine Ruhestation, an der ich etwas essen und trinken konnte.Als ich schließlich an dieser Stelle aus dem Wald trat, stand ich direkt vor einem Museum – perfekt platziert für eine spontane Entdeckung.
Der Eintritt war kostenlos, also machte ich eine Runde durch die Ausstellung. Ich lernte viel über die Entstehung von Miho – wie das Gebiet durch Wind und Meeresströmungen der Suruga-Bucht geformt wurde, wie es von den Menschen befestigt und über Jahrhunderte gepflegt wurde, und natürlich über die Mythen und Legenden der Region.
Ganz besonders im Mittelpunkt stand die berühmte Hagoromo-Legende – das Federkleid der Himmelsmaid. Nach dem Museums geht die bekannteste Version ungefähr so:
Die Legende von Miho no Hagoromo –Das Federkleid der Himmelsmaid
Vor langer Zeit, an den Küsten von Miho-no-Matsubara, wo die alten Kiefern über das Meer wachen, stieg eine himmlische Maid (Tennin, 天女) vom Himmel herab.Sie legte ihr Federkleid (羽衣, Hagoromo) ab und ging im klaren Wasser baden.
Ein Fischer kam vorbei und sah das Kleid, das im Sonnenlicht schimmerte wie Tau auf Seide. Von Neugier und Verlangen erfüllt, nahm er das Kleid an sich und versteckte es zwischen den Kiefern, deren Nadeln, so sagt man, göttliche Kraft in sich tragen und den Blick selbst der Himmlischen trüben können.
Als die Maid aus dem Meer zurückkehrte, suchte sie verzweifelt nach ihrem Gewand. Der Fischer trat hervor und sagte: „Oh schöne Himmelsmaid, bleibe bei mir. Ohne dein Kleid kannst du nicht heimkehren, doch ich will dich ehren und dich zur Frau nehmen.“
Die Maid, ohne Hoffnung auf Rückkehr, willigte ein. Sie lebten viele Jahre zusammen, und ein Kind wurde geboren, das die Anmut der Mutter und das Herz des Vaters trug.
Doch eines Tages, als der Junge älter wurde, verriet er seiner Mutter, wo der Vater das Kleid verborgen hatte. Mit Tränen der Liebe und des Abschieds nahm sie ihr Federkleid, legte es an und stieg in den Himmel empor. Von oben blickte sie noch einmal auf ihr Kind herab – und verschwand zwischen Wolken und Licht.
Seitdem sagt man, wenn der Wind durch die Kiefern von Miho weht, klingen ihre Stimmen wie ein ferner Gruß – das Lied einer Mutter aus dem Himmel.
Die Nō-Theaterfassung, also die ältere und ursprüngliche Variante, erzählt die Geschichte etwas anders: Hier verlangt der Fischer als Gegenleistung für das zurückgegebene Kleid nur einen himmlischen Tanz, den die Maid ihm gewährt, bevor sie in den Himmel zurückkehrt.
Das Meer, die Kiefern und der Blick auf den Berg Fuji inspirierten über die Jahrhunderte viele Künstler – darunter auch Katsushika Hokusai, der Miho in mehreren Werken seiner Serie „36 Ansichten des Berges Fuji“ verewigte.
Eines dieser Werke kennt fast jeder: „Die große Welle vor Kanagawa“ gehört ebenfalls zu dieser Serie.

Wenn ihr Interesse habt, ich hab zu dem Herrn auch ein umfassendes Buch zuhause.
Im Souvenirshop habe ich meinen kostenlosen Museumseintritt dann gleich doppelt und dreifach wieder ausgeglichen 😅.
Nach der kleinen Shopping-Tour und all dem Geschichts-Input ging ich vom Museum aus den Holzbrückenweg der Pinienallee entlang bis zur Hauptstraße – und stellte später am Bahnhof Shimizu fest, dass ich den Leuchtturmbesuch vergessen hatte.
Die Sonne war ohnehin schon untergegangen, also habe ich es gelassen und bin zurück ins Hotel.








Dort angekommen, habe ich im Hotelwaschraum eine Maschine Wäsche gewaschen und mir anschließend im Hotelrestaurant ein leckeres Abendessen gegönnt. Das Essen war super – die Waschmaschine allerdings weniger. Ich werde die Tage wohl noch einmal eine Coin Laundry aufsuchen; die schafft in einer Stunde, was die Hotelmaschinen in drei nicht hinbekommen.


Der Abend endete schließlich im Badehaus und danach im Entspannungsraum, mit etwas Musik und Blick über die nächtliche Stadt – der perfekte Abschluss eines wunderschönen Tages. 🌙