Heute musste ich mein Zimmer verlassen und bin zu Tomoko und ihrer 35-jährigen Tochter Arisa gefahren, um dort mein neues Zuhause für die kommenden vier Tage zu beziehen. Ich habe ein Zimmer und eine eigene Toilette ganz für mich allein und darf Wohnzimmer, Badezimmer, Küche und Kühlschrank jederzeit mitbenutzen. Im Grunde bin ich also in einem Gästezimmer bei einer Familie untergebracht – und die Atmosphäre ist wirklich angenehm.
Tomoko ist Mitbegründerin eines thailändischen Restaurants in der Umgebung, dem ich in den nächsten Tagen auf jeden Fall noch einen Besuch abstatten werde.
Nachdem ich gegen 12 Uhr meinen Koffer und Rucksack abgestellt hatte, ging es zum Eisenbahnmuseum von Sapporo. Was für ein Glück, dass ich länger geblieben bin – das Museum hat nämlich nur jeden zweiten Samstag im Monat von 13 bis 16 Uhr geöffnet.
Dort wurden nicht nur verschiedene Züge und Lokomotiven gezeigt, sondern auch Tickets, Abzeichen, Konstruktionszeichnungen, Miniaturen und aufgeschnittene Technikmodelle, die die Funktionsweise anschaulich erklärten. Hier und da gab es sogar Exponate zu Schiffen und Waagen – ganz verstanden habe ich den Zusammenhang nicht, aber vermutlich ging es um Warentransport und Handel, die ja schon damals wichtige Standbeine für Transportgesellschaften waren.
Nach zwei Stunden wildem Fotografieren und Übersetzen war ich ziemlich erschöpft – doch draußen stand bereits eine alte Kohle-Lok bereit, und mein Herz schlug gleich ein wenig schneller.






































Danach ging es weiter zum Sapporo Bier Museum, wo ich einiges über die Geschichte des Brauens und die Entstehung der ersten Brauerei in Sapporo gelernt habe. Besonders spannend war zu sehen, wie sich die Marke Sapporo Beer über die Jahrzehnte entwickelt hat und wie die Brauerei modernisiert und erweitert wurde.
Etwas anstrengend war nur, alle Texte so zu fotografieren, dass ich sie später mit der Übersetzer-App lesen konnte – aber es hat sich gelohnt.












Nachdem ich also rund fünf Stunden Geschichte hinter mir hatte, meldete sich mein Magen, der mich daran erinnerte, dass ich den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte. Dieses Problem ließ sich aber wunderbar mit einer richtig leckeren neapolitanischen Pizza lösen – genau das Richtige nach so einem Tag.
Gegen 18 Uhr bin ich wieder an meiner neuen Unterkunft angekommen. Dort habe ich mit Tomoko zunächst den offiziellen Papierkram erledigt. Anschließend zeigte sie mir mein Zimmer, die verschiedenen Räume des Hauses und erklärte mir die Hausregeln.
Nach dem Lade-Setup meiner technischen Begleiter und einer heißen Dusche habe ich mich im Wohnzimmer bis fast 22 Uhr mit Tomoko und Arisa unterhalten. Wir sprachen darüber, was sie so machen, wie es mich nach Japan verschlagen hat, wie ich es schaffe, zwei Monate durch Japan zu reisen, und welche Orte ich dieses Mal noch besuchen möchte.
Ich habe außerdem erfahren, dass sie direkt vor dem Haus einen kleinen Laden betreiben, in dem sie saisonale Dinge verkaufen – aktuell etwa Halloween-Deko und allerlei Nützliches für den Alltag. Beide erzählten auch, dass sie bereits in Thailand und Korea im Urlaub waren und im kommenden November nach Tokio fliegen wollen, um von dort mit einem Nachtbus nach Nagano zu fahren. Das ist kein gewöhnlicher Bus, sondern ein richtig luxuriöser Nachtbus mit Einzelsitzen und Schlafkabinen – eine günstigere und bequeme Alternative zu Zug oder Hotel.
Beim Thema Onsen und Tattoos bekam ich auch gleich ein paar Empfehlungen für öffentliche Badehäuser (Sento), in denen Tattoos erlaubt sind.
Beide sind unglaublich herzlich und offen – genau so habe ich mir den Aufenthalt bei einer Gastfamilie immer vorgestellt. Am Anfang war es zwar etwas ungewohnt und komisch aber ich bin wirklich begeistert. Dieses Wohnkonzept ist in Japan übrigens gar nicht so ungewöhnlich: Es gibt viele Haushalte, in denen Gäste oder Mitbewohner leben, die nicht zur Familie gehören. Offenbar ist man hier gesellschaftlich einfach stärker daran gewöhnt.
von daher, schätzt eure Mitbewohner, auch wenn es nur der Wederknecht Norbert ist. In diesem Sinne – Liebe Grüße und gute Nacht .