Gleich früh habe ich meinen Koffer leergeräumt, mich fertig gemacht und bin los, um in einem schnuckeligen Café zu frühstücken. Mein Plan: Um 11 Uhr, wenn die Kofferreparatur öffnet, wollte ich meinen Koffer dort abgeben.
Gesagt, getan – aber als ich die Preise sah, musste ich wirklich schlucken.Zwei Räder wechseln: 8.800 ¥.
Und das, obwohl nicht einmal die komplette Ecke des Kunststoffgehäuses getauscht wird – nur die Räder selbst, eventuell mit neuem Kugellager.
Fehler Nummer 2 – Teure Entscheidung
Mangels Alternativen und weil ich (wie ich später merkte) die Seite des „Suitcase Repair King“ nicht gespeichert hatte – der das Ganze für 3.600 ¥ gemacht hätte – habe ich zähneknirschend zugestimmt.
Zur Einordnung: In Deutschland bekomme ich vom Hersteller für rund 15 € (ca. 2.500 ¥) ein komplettes Ersatzteil-Set mit Rädern, 2 Ecken und Schrauben, das ich selbst in 10 Minuten wechseln könnte. Nur leider sind genau diese Teile hier in Japan nicht erhältlich – sonst hätte ich gleich alle vier Räder getauscht.
Hattori Ryokuchi Park & vergessene Essentials
Danach bin ich zum Hattori Ryokuchi Park gefahren und habe mir im Freilichtmuseum die alten japanischen Bauernhäuser angesehen.
Leider kam dann die nächste Überraschung: Ich hatte sowohl mein Foto-Smartphone als auch meinen Geldbeutel im Hotel liegen lassen. 😑Ich hatte morgens alles aus dem Koffer aufs Bett gelegt, um zu sortieren – und genau dort lagen sie dann noch. Also blieb es bei einem Rundgang mit eher mittelmäßigen Fotos.
Fehler Nummer 3 – Falscher Zug, neues Ziel
Zurück im Hotel habe ich mir mein Smartphone und Geldbeutel geschnappt, um die Reperatur bezahlen zu können, und bin wieder los, meinen Koffer abzuholen. Anschließend hab ich ihn an der Namba Station ins Schließfach gebracht und wollte dann nach Kyoto, um den Sonnenuntergang an der Kiyomizu-dera zu sehen.
Tja – das war der Plan.
Irgendwo habe ich etwas überhört oder einfach die falsche Linie erwischt, denn anstatt nach Nordosten Richtung Kyoto ging es nach Norden.
Da Umkehren keinen Sinn mehr machte, habe ich kurzerhand umgeplant und bin zur Umeda Station gefahren und hab einen Spaziergang zum Umeda Sky Building gemacht.





























Perfektes Timing: Ich konnte eine Runde drehen, ein paar Fotos machen und mir dann einen Platz für den Sonnenuntergang sichern – der allerdings viel schneller vor sich ging als gedacht. Die Konstruktion des Gebäudes als Silhouette im Bild zu haben, hatte aber irgendwie auch etwas Künstlerisches.
Nach Einbruch der Dunkelheit habe ich mich noch an ein paar Nacht- und Langzeitaufnahmen versucht und bin anschließend zurück zur Namba Station.
In der Bahn dahin bin ich in fünf oder sechs deutsche Austauschstudierende hineingelaufen – aus Bremen, Nürnberg, München, Hamburg und sogar ein paar Engländern, Belgiern und Niederländern. Sie studieren seit Anfang September in Japan und bleiben zwischen einem und drei Semestern.
Ein kurzer, netter Plausch – dann trennten sich unsere Wege wieder.
Danach habe ich mich in den unterirdischen Gängen der Namba Station gründlich verirrt – auf der Suche nach dem Schließfach mit meinem Koffer. Zum Glück hatte ich vorher einen Geo-Tag in Google Maps gesetzt, sonst hätte ich wohl noch länger gesucht. Leider funktioniert die Ortung unter der Erde kaum, da dort nur Funkrepeater für den Handyempfang stehen. Die Richtungsanzeige war daher eher … kreativ.
Irgendwann habe ich meinen Koffer wiedergefunden und bin endlich zurück ins Hotel.
Jetzt sitze ich hier, verputze mein Brot und die Fleischkroketten, die ich im Schlemmerparadies unter der Namba Station gekauft habe, und tippe meinen Beitrag.
Dort unten gibt es hunderte Verkaufsstände – von Bentos über Backwaren und gefüllte Brötchen bis hin zu frittierten, fermentierten oder frisch gekochten Speisen aus Rind, Schwein, Geflügel und allem, was das Meer hergibt.
Einige Stände haben kleine Tische zum Direktessen, andere bieten alles nur zum Mitnehmen an.
Ein Tag voller Chaos – aber irgendwie war’s trotzdem ganz ok.
Morgen geht’s nach Kyoto und ich muss mal schauen ob hier ein Plus size Geschäft für japanische Kleidung gibt. Ich würde mir gern was mitnehmen.