Heute habe ich ausgeschlafen und bin dann – statt im Hotel zu frühstücken – in ein kleines Restaurant beim Bahnhof um die Ecke gegangen, das ich schon seit dem ersten Tag im Auge hatte. Dort gab es eine Suppe, in der eine Portion Reis mit Rührei überdeckt war, bevor die Brühe darübergegossen wurde. Kenn ich so gar nicht, aber richtig lecker!
Gegen Mittag ging es nach Namba. Dort habe ich mich für den im Internet sehr gehypten Rikoro’s Cheesecake ganze 20 Minuten angestellt – nur um dann festzustellen, dass man keine Stücke kaufen kann. Nur ganze Kuchen.
Tja … und da stand ich nun mit einem kompletten Cheesecake.Zum Glück gibt es in Namba kleine „Kühlschrank“ – Schließfächer, und das sogar für wenig Geld. Also: Kuchen verstaut, Problem gelöst – und weiter ging’s nach Kyoto.
Ich habe wohl eine Art Bimmelbahn erwischt, die an jeder Haltestelle stoppt, aber die Fahrt war dafür schön ruhig und entspannend.














In Kyoto angekommen, bin ich vom Bahnhof durch die Stadt Richtung Kawaramachi spaziert, da ich diesen Bereich bisher noch gar nicht besucht hatte.
Dort lag mein eigentliches Ziel: Kimono- und Yukata-Läden.
Ich habe einige Stunden gebraucht, um die Läden zu finden, die auch größere Größen führen, bin dann aber bei Musubi fündig geworden. Dort hatte ich zwei richtig schöne Modelle zur Auswahl – aber einer reicht erstmal. Schließlich will ich mir ja auch noch einen Jinbei und einen Haori zulegen.



Danach bin ich einfach noch ein wenig durch die Straßen geschlendert, habe in Läden reingeschaut, hier und da eine nerdige Frage gestellt oder mich einfach an all den kleinen Dingen erfreut, die man unterwegs so sieht.















So begeistert ich war – der innere Schweinehund hat sich am Abend zurückgemeldet, unterstützt von meinem hungrigen Magen und meinen schmerzenden Füßen.
Ich musste nämlich noch ein ganzes Stück zur U-Bahn laufen, denn die Busse in Kyoto waren völlig überfüllt. Teilweise kamen sie schon komplett voll an den Haltestellen an. Drei, vier Leute mussten sich erst mühsam nach vorn durchdrängen, um auszusteigen, und dann durften nur fünf der dreißig Wartenden zusteigen.
In der U-Bahn habe ich keinen Sitzplatz bekommen, und auch beim Umstieg in den Zug nach Osaka war alles voll.
Also 90 Minuten stehen – mein Körper hat mich innerlich angeschrien. Die Fahrt war wirklich eine Probe an Selbstdisziplin, nicht einfach irgendwo auszusteigen, sich hinzusetzen und auf die nächste Bahn zu warten.

In Namba angekommen, habe ich meinen Käsekuchen aus dem Schließfach geholt und bin zurück ins Hotel. Dort wurde natürlich gleich ein Stück probiert – und ja, er ist wirklich gut! Nur … was mache ich jetzt mit einem ganzen Kuchen?
An der Rezeption saß jemand, also habe ich kurzerhand ein paar Stücke geschnitten, bin runter und habe ihm eines angeboten.Er hat sich total gefreut, dankend angenommen – und so kamen wir ins Gespräch.
Etwa anderthalb Stunden haben wir uns unterhalten: über meine Reise, was ich schon alles gesehen habe, und über seine Heimat. Als ich von Tottori erzählte, wurde er plötzlich ganz begeistert – denn er kommt aus Yasugi, in der Nähe von Tottori, und studiert dort Naturwissenschaften.
Er gab mir tolle Empfehlungen, falls ich irgendwann im Winter zum Skifahren wiederkomme. Dann erzählte er, dass er ursprünglich aus China kommt. Eigentlich wollte er nur für ein paar Semester mit seiner damaligen Verlobten in Japan studieren – nach fünf Jahren Beziehung. Als sie ihn jedoch betrogen hat, hat er alles abgebrochen, ist allein nach Osaka gegangen und hat dort sein Studium beendet. Da es in seinem Fachbereich hier kaum Stellen gibt, studiert er nun ein zweites Fach in Tottori und arbeitet zwei Tage die Woche in mehreren Hotels – an der Rezeption, für Abrechnungen und Technik.
Für diese Zeit bekommt er immer ein Zimmer, und die meiste Zeit verbringt er dort mit Lernen oder Lesen.
Während unseres Gesprächs kamen immer wieder Gäste vorbei, um aufs Zimmer zu gehen, und so habe ich nach und nach alle Kuchenstücke verteilt – bis auf eines. Das habe ich mir am Ende selbst noch gegönnt. 😋
Ein ungeplanter Tag, ein zufälliges Gespräch und ein geteilter Kuchen – manchmal sind es genau diese Abende, die einem im Gedächtnis bleiben.