Heute Morgen habe ich all meine Sachen zusammengepackt. Mein Smartphone hatte mich schon mehrfach vor Regen gewarnt – also hoffte ich, einen trockenen Moment zu erwischen, um zum Bahnhof zu laufen. Tja … das dachten sich wohl viele, denn die Empfangshalle war voll. Also: Jacke an und los.









Wie gewohnt war meine erste Anlaufstelle Namba – genauer gesagt das riesige unterirdische Feinschmeckerparadies.Dort habe ich mir aus verschiedensten Läden ein richtig tolles Bento für die Shinkansen-Fahrt nach Shizuoka zusammengestellt.Wenn man schon 70 € für die Zugfahrt bezahlt, darf es wenigstens kulinarisch etwas hermachen.
Einkauf erledigt – also direkt weiter nach Shin-Osaka.
Kleine, aber nützliche Info:Das Wort „Shin“ bedeutet „neu“, und viele große Städte in Japan haben eine „Shin“-Station – also eigene Bahnhöfe für den Fernverkehr.
Der Shinkansen (Hochgeschwindigkeitszug) nutzt also eigene Gleise und Bahnhöfe, wodurch er nicht von Regionalbahnen blockiert wird und so gut wie nie Verspätungen hat.
Japan hat zudem mehrere private Bahnunternehmen, die miteinander konkurrieren. Das sorgt für Effizienz, Zuverlässigkeit – und Service, von dem wir in Deutschland nur träumen.
Ohne Konkurrenz erlaubt man, das es runtergewirtschaftet wird, sich einige wenige die Taschen voll machen auf den Nacken aller Steuerzahler. – Also das, was wir seit 20–30 Jahren „gut“ machen.
In Shin-Osaka wollte ich eigentlich gemütlich mein Ticket am Automaten ziehen …Doch die einzige Option ohne zwei Stunden Wartezeit fuhr in fünf Minuten.
Panikmodus aktiviert. In Rekordzeit habe ich mein Ticket mit Platzreservierung und Übergepäck-Zusatz gekauft, bin durch die Schranke gerannt, habe den erstbesten Bahnmitarbeiter nach dem Gleis gefragt (das stand natürlich nirgends auf dem Ticket) – und sprintete zum richtigen Wägen. Knapp 20 Sekunden später fuhr der Zug ab. Ich saß keuchend im Sitz – und stellte fest: Der ausziehbare Griff meines Koffers ist gebrochen – Perfekt. 😑
Ich brauche dringend etwas Neues – vielleicht einen stabilen Hartlederkoffer. Etwas schwerer, aber hoffentlich ohne Sollbruchstellen an jeder Ecke.


In Shizuoka angekommen, begrüßte mich – Überraschung! – Regen. Und laut Vorhersage sollte das auch bis in die Nacht so bleiben. Also schnell die Bushaltestelle gesucht, die mir Google Maps angezeigt hat.
Problem: Die Busnummern hier werden in Google nicht korrekt übertragen, obwohl sie auf den Anzeigen vor Ort stehen. In anderen Städten funktioniert das besser.
Kleine Nerd-Notiz am Rande: Die jeweiligen Städte sind selbst verantwortlich für die Bereitstellung ihrer Live-Daten (Bus, Bahn, Tram usw.). Google bindet die nur ein.
Heißt also: Shizuoka müsste seine API oder Datensätze aktualisieren, damit z.B. Liniennummern auch in der Google-Ansicht erscheinen. Ja, ich weiß – viel Technikgerede. Aber sonst ist heute halt nicht viel passiert.
Am Abend habe ich mir meinen Knirps-Regenschirm geschnappt und bin trotz Dauerregen eine Runde durch die Stadt gelaufen – schließlich war Halloween. Aber es war ein hoffnungsloses Unterfangen: Alle verkleideten Leute draußen waren einfach nur durchnässt bis auf die Unterhose. Der Regen war so stark, dass mein Schirm regelrecht auseinandergedrückt wurde. Das Material ist einfach zerissen – adé, Knirps.



Meine Tasche, Jacke und Hose waren komplett durchnässt. Zum Glück hatte ich meine Powerbank in einem eigenen Beutel – ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn die mit ihren 20.000 mAh einen Kurzschluss gehabt hätte. ⚡


Im Hotel angekommen, gab’s erstmal eine heiße Dusche und ein kleines Abendessen.
Der Anime da oben im Bild ist übrigens „Laid-Back Camp“ (ゆるキャン△ / Yuru Camp). Direkt übersetzt heißt das „Entspanntes Campen“ – und genau dieser Anime hat mich damals dazu inspiriert, Japan auf längeren Reisen zu erkunden. Er zeigt wunderschöne Orte, Landschaften, Städte, lokale Spezialitäten und sogar nützliche Reisetipps – etwa, wie man sich beim Reisen den Tag sinnvoll einteilt.
All das hat in mir damals, neben meinem Interesse an Japan den Wunsch zu Reisen neu erweckt, um Japan wirklich zu erleben.
Ich weiß jetzt schon: Sobald ich wieder in Deutschland bin, werde ich die Menschen und den Alltag dort erstmal unausstehlich finden. Und ich werde sofort wieder zurück nach Japan wollen. Der Drang, wieder Japanisch zu lernen, ist jetzt schon riesig. Und spätestens wenn ich das Essen vermisse, wird es große Kochsessions geben – bis sich wie Miso-Suppe am Morgen, andere Gerichte als feste Bestandteile meines Alltags etabliert haben.
Und irgendwann, da bin ich sicher, werde ich die nächste Reise planen – vielleicht über Weihnachten und Neujahr, vielleicht zwei oder drei Monate lang an einem Ort, bei einer Gastfamilie, um endlich richtig Japanisch zu lernen.
Whatever happens, happens.