Aktuell – und noch die nächsten vier Tage – findet in Shizuoka der Daidogei World Cup statt. Das ist eine Art Kleinkünstler-Festival mit dem Motto „The City is a Theater“. Überall in der Stadt treten Künstlerinnen und Künstler auf – Jongleure, Musiker, Akrobaten, Pantomimen – und viele davon sind als Clowns unterwegs. Aber nicht die gruselige Art, sondern freundlich, herzlich und unglaublich talentiert.
Ich möchte mir in den kommenden Tagen möglichst viele der Attraktionen, Shows und Events anschauen – vor allem, weil jetzt Wochenende ist und überall richtig gute Stimmung herrscht.













Am Vormittag ging es direkt auf die Aoba Symbol Road, wo bereits zahlreiche Essensstände und Bühnen aufgebaut waren.
Das Tolle an diesem Festival ist, dass viele der Aufführungen wortlos sind – Jonglage, visuelles Theater, Bewegungskunst – damit jeder sie versteht, egal aus welchem Land man kommt. Ich finde das wirklich schön, weil es Kunst zugänglich macht – ganz ohne Sprache.












Danach ging es weiter zum Sunpu Castle Park, am Ende der Aoba Symbol Road.
Dort war richtig viel los:
Ein wunderschönes Teehaus neben dem Momijiyama Garden, unzählige Food-Stände, Workshops und Events für Kinder – von Bastel- und Spielecken über Hüpfburgen bis hin zu Mitmach-Shows und Stempel-Rallyes quer über das Gelände.
Ich habe dort ein paar echt coole Menschen getroffen – unter anderem einen türkischen Foodtruck-Besitzer aus Takamatsu (Shikoku), wo ich ja selbst vor Kurzem war. Er ist extra für das Festival hierhergefahren, um Döner zu verkaufen.
Wir haben uns kurz unterhalten, und er war so freundlich, mir noch eine Portion Pommes kostenlos dazu zugeben. Der Döner war gut – aber nicht zu vergleichen mit unseren deutsche Dönern, in Geschmack und Größe. Hier hat man eher rohen fein geschnittenen Kohl mit einem eher leicht marinierten und gewürzen Fleisch und einer tomatigen sehr flüssigen Soße. Von der Größe her eher wie ein gut belegtes Brötchen. Hat aber völlig gereicht.
Ich glaube, obwohl die Menschen hier wirklich gern und viel grillen, haben sie irgendwie Angst vor Bräunung oder Kruste.
Fast alles ist super weich, und selbst beim Grillen scheint das Ziel eher zu sein, dass es gerade so durch, aber ja nicht zu dunkel wird.
Gewürze? Eher dezent. Dafür gibt’s dann meist ein Sößchen oder eine Beilage, die den Geschmack trägt.
Ich habe zum Beispiel eine Bratwurst probiert, die optisch fast wie eine unserer rohen, dicken deutschen Grillwürste aussah. Nur wurde sie hier erst in Brühe vorgegart und dann, wenn jemand eine wollte, für vielleicht eine Minute auf dem Grill hin und her gerollt. Man hat nicht einmal eine Bräunung gesehen – im Grunde war sie gekocht. Geschmacklich hat mir da echt Würze und Röstaroma gefehlt.
Am liebsten hätte ich mich ja selbst hinter den Grill gestellt und gezeigt, wie das geht …Aber ich bin hier nur Gast – also habe ich mich brav zusammengerissen und bin weitergezogen.


















Der Döner-Mann hat mir außerdem den Tipp gegeben, für einen tollen Ausblick über Shizuoka auf die Aussichtsplattform im 21. Stock des Präfekturgebäudes zu gehen. Also bin ich nachmittags hoch – und die Aussicht war wirklich großartig!
Ich konnte den Sonnenuntergang über Shizuoka fotografieren, und es war ein wunderschöner Abschluss des Tages. Dass ich irgendwann um 4 Uhr morgens aufstehe, um den Sonnenaufgang zu fotografieren? Eher nicht. Vielleicht, wenn ich beim Mount Fuji mal richtig motiviert bin.
Am Abend bin ich dann noch ein wenig durch die Stadt spaziert, habe mir Abendessen geholt und bin schließlich zurück ins Hotel. Ein rundum gelungener Tag – voller Farben, Musik und guter Laune, trotz des unbeständigen Wetters.