Tag 46 – Döner und Magic

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Frühstück war heute ein Bento vom 7-Eleven – mit Ei und Hühnchen, perfekt für einen schnellen Start. Während ich gegessen habe, war auch mein Vermieter Jiang zuhause und hat etwas sauber gemacht. Später kam noch ein externer Putzdienst für die Gästezimmer. Die bringen wirklich alles in Topform: Oberflächen wischen, aufräumen, Bett neu beziehen, Handtücher und Wäsche waschen – einmal Rundumsanierung.

Ikebukuro wird meine Basis

Danach ging es auch schon los, zuerst nach Ikebukuro. Das wird in den nächsten zwei Wochen so etwas wie mein Dreh- und Angelpunkt. Mein Zimmer liegt in Tokiwadai, etwas außerhalb – deshalb führt jeder Weg zuerst über die Tōbu–Tōjō Line [TJ] nach Ikebukuro. Von dort kann ich dann in alle Richtungen umsteigen:

  • in die ringförmig fahrende Yamanote-Line [JY]
  • die quer durch die Stadt verlaufende Marunouchi-U-Bahn-Linie (M)
  • Oder die privaten Linien die Teilstrecken oder parallel zur Yamanote Line fahren und dann aus der Stadt raus führen.

Ich finde das System einfach genial. Es dauert ein paar Minuten, bis man es durchschaut, aber es ist unglaublich logisch:

JR-Linien beginnen immer mit J plus meist den Anfangsbuchstaben der Linie. Private Linien verwenden ihren eigenen Buchstaben und alle haben ihre eigene Farbe.

Allein in Ikebukuro sieht man, wie viele Linien dort zusammenlaufen. In Shinjuku wäre das Ganze noch extremer – dort fahren so viele Busse, dass die Displays voll mit weißen Einträgen sind. Tokyo-Station hatte ebenfalls viele weiße Felder, weil dort Fernzüge und Busse fahren.

Postkarten & treiben lassen

Nach einem kurzen Abstecher zur Post, um die letzten Karten aufzugeben, bin ich einfach mit irgendeiner Bahn weitergefahren, irgendwann ausgestiegen und ein wenig durch die Straßen geschlendert. Tokio ist so groß, dass selbst Zufallstreffer kleine Abenteuer sind.

Nebenbei habe ich während des Laufens schon eine mentale – und irgendwann digitale – Liste gemacht:

Was will ich in Tokio unbedingt sehen?Was soll ich kaufen? Was bringe ich wem mit?

Kabukichō Tower & eine unschöne Idolkultur

Auf dem Weg bin ich am Kabukichō Tower vorbeigekommen – und musste einfach rein. Dort fand gerade ein Pop-Up-Store, ein Konzert und eine Autogrammstunde einer japanischen (gecasteten) Girl-Idol-Group statt. Die sind in drei „Lager“ aufgeteilt: Sakurazaka, Hinatazaka und Nogizaka. Und an dieser Stelle muss ich sagen: Ich finde dieses Idol-System einfach nur ekelhaft. Die Agenturen haben massive Kontrolle über das Leben dieser Mädchen:

  • tägliches Tanz- und Gesangstraining
  • stundenlange Meet-and-Greets
  • Handshakes und Umarmungen mit Tausenden Fans
  • keine Partner erlaubt
  • parasoziale Beziehungen werden gezielt genutzt, um Fans Geld aus der Tasche zu ziehen
  • die Mädchen müssen Fans sammeln, um in Songs oder Shows überhaupt berücksichtigt zu werden
  • Ein permanenter Wettkampf der Gruppen und innerhalb der Gruppe, was das ganze wirklich toxisch macht.

Es ist eine moderne Form von Ausbeutung, die sich hinter Glitzer und Lächeln versteckt. Und ich muss ehrlich sein, ich hab mir eine Show auf Youtube angeschaut und auch die Gruppenfotos, die schauen alle nicht sehr glücklich aus.

Weiter durch die Stadt

Danach bin ich entlang der Bahnlinie weitergelaufen, habe in verschiedenste Läden hineingeschaut und einfach den Tag genossen. Zwischendurch habe ich zufällig eine Dönerbude entdeckt und dort Abend gegessen – überraschend gut.

Magic: The Gathering – Avatar Prerelease

Anschließend bin ich zum Hareruya Tournament Center. Perfektes Timing: Ich bin genau zum Prerelease von MTG: Avatar angekommen. Natürlich habe ich mitgemacht – allerdings nicht bei der großen japanischen Gruppe, sondern mit den wenigen anderen Ausländern, die ebenfalls da waren. Gewonnen habe ich zwar nichts, aber der Abend war super. Viel Spaß, nette Leute, entspannte Atmosphäre.

Danach ging’s völlig erschöpft nach Hause und direkt ins Bett.

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